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Ars Electronica Festival 2008


Alle Jahre wieder in Linz...

Auch dieses Jahr wieder fix im Jahresplan: In der ersten Septemberwoche sind wir in Linz. Wiedersehen mit alten Bekannten, plaudern, netzwerken, Leute treffen, Party und natürlich auch Arbeit. Diesmal nicht verregnet, sondern viel netteres Wetter als 2007.

Wagenburg Pfarrplatz

Vielleicht, weil das neue Ars Electronica Center zwar schon Formen annimmt, aber noch immer eine Baustelle ist und weil Linz als europäische Kulturhauptstadt 2009 bereits kräftig seine Schatten vorauswirft, dieses Jahr trotz des wichtigen Themas ein eher verhaltenes Programm. Keine herausragenden Highlights, die interessanten Sachen wollen gesucht sein und springen einen nicht an.

Opening Pöstlingberg

Beim traditionellen Opening war das Festival immer für ausgefallene Locations gut, diesmal ging's auf den Pöstlingberg oberhalb von Linz. Schönes Wetter mit einem tollen Blick auf's Lichtermeer.

Linz vom Pöstlingberg

Unterhalb der Wallfahrtskirche hat die Ars Community den ganzen Berg mit Beschlag gelegt und in großen Zelt die erste Performance über die Bühne gehen lassen.

Pöstlingberg Kirche

Künstler mit weißen Anzügen setzten sich an einen endlos langen Tisch mit Apparaten, Spulen und Retro-Elektronik und ließen schweigend und beinahe regungslos eine Sooundcollage ablaufen. Habitus und Atmosphäre erinnert heftig an ein Kraftwerk-Konzert. Nur ganz so melodisch war's nicht.

Performance Pöstlingberg

 

Vernichtungsaktion

In der Stadt, am Hauptplatz, der traditionell in dieser Woche von der Ars bespielt wird, wurde am Samstag, dem Markttag, die "Vernichtungsaktion" geboten.

Vernichtungsaktion

Ein vom Zoll beschlagnahmter Container mit gefälschten Markenartikeln wurde unter Bewachung geleert. Karton für Karton mit Mode, Zigaretten u.a. wurde ausgepackt und in einen Shredder mit den Namen "Terminator 5000" gefüttert, die Schnipsel in verschließbare Boxen gefüllt und später der "thermischen Verwertung zugeführt". Ein solche Aktion, für die die Markenartikler die Vernichtungsfirmen bezahlen, passiert fast jeden Tag, allerdings nicht in der Öffentlichkeit. Die Ars Electronica 2008 konnte keinen sinnbildlicheren Event für das heurige Thema "A NEW CULTURAL ECONOMY – wenn Eigentum an seine Grenzen stößt" erfinden. Entsprechend heftig waren Reaktionen und Diskussionen über Markenrecht, Fake Brands, Produktpiraterie und geistiges Eigentum beim Publikum rund um den Sicherheitszaun.

Ars Electronica Campus

In der Kunstuni war auch dieses Jahr wieder eine ausländische Hochschule zu Gast, diesmal allerdings keine Kunst- oder Medienhochschule, sondern die University of Tokyo mit drei technischen Instituten, deren Studenten sehr interessante Arbeiten zu Mensch-Computer-Schnittstelle liefern. Zur dieser Ausstellung mit dem Titel "Hybrid Ego" gibt es einen längeren Artikel von mir auf futurezone.orf.at mit Details.

Kunstuni / Campus / University of Tokyo

 

openFrameworks

Die erste Etage des Brucknerhaus, das nach der Pause im vergangenen Jahr heuer wieder als Ort für die Symposien und einige Projekte diente, wurde von der zweistöckigen Gerüstkonstruktion des "openFrameworks Lab" beherrscht.

oF Lab

oF Lab

Hier gibt es eine Live-Arbeitssituation von Medienkünstlern und Programmierern, die mit den Programm-Modulen openFrameworks ad hoc aus Input vom Publikum Entwürfe von Medienkunstprojekten bauen. Aus einem Lokalaugenschein und einen Interview, das ich mit einem der Heads dieses Projekts, Zachary Lieberman, geführt habe, ist diese Geschichte auf futurezone.orf.at entstanden, die dieses spannende Projekt näher erläutert.

[Da ich gerade an einem Buch über Panoramafotografie schreibe, die beiden Innenansichten des Labs als Interaktive Flash-Version: Untere Etage / Obere Etage]

 

Featured Art Scene

Andere Teile des Festivals waren weniger aufregend: Im Keller des Lentos Museums wurde die Medienkunstszene rund um die Kapelica Gallery in Ljubljana vorgestellt, dramatisch und optisch einnehmend inszeniert, aber merkwürdig diffus in der Konzeption. Mit dabei der seit Jahren auf  der Ars vertretene Marko Peljhan mit seinen Arbeiten in bekannter Art, diesmal mit einem markanten gelben Zelt unter dem Lentos-Dach.

Marko Peljhan / Lentos

Mehr Bilder gibt es hier.

Geschrieben am 08. September 2008 von tb

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